Q3 2020: Quartalsbericht der OneCrowd-Gruppe

Durch Corona: Kapitalbeschaffung für Startups wird zum großen Problem

Dank der Crowd: 74 Millionen Euro Kapital für junge Unternehmen

Dresden, 7. Oktober 2020Das Ergebnis ist alarmierend: Laut dem aktuellen Startup Monitor 2020 sagt fast jeder zweite Gründer in Deutschland, die Kapitalbeschaffung sei für sein junges Unternehmen die größte Herausforderung. Vor allem an den öffentlichen Förderprogrammen gibt es Kritik. Zwei junge Unternehmer erklären, wie gründerfeindlich Deutschland tatsächlich ist, wie Corona die Situation verschärft – und warum andere Finanzierungsformen, wie das Crowdinvesting, wichtiger werden.

Jaromir Ufer und Jan Gerlach haben vieles gemeinsam. Die Männer sind Gründer eines Startups, beide leiten ein junges Unternehmen – und beide haben kürzlich eine Kampagne auf Seedmatch, der Crowdinvesting-Plattform für Unternehmensfinanzierung (Teil der OneCrowd-Gruppe) gestartet. Dank der sogenannten Schwarmfinanzierung beteiligten sich bereits Hunderte Geldgeber mit kleinen Beträgen an ihren Unternehmen. Die Crowd (= Summe der Kleinanleger) hat bereits 243.000 Euro in den Münchner Brillenhersteller Kerl Eyewear und damit in das Unternehmen von Jaromir Ufer investiert. Für Jan Gerlach und seine Cottbuser Firma thingk.systems (toolbot) kamen schon 260.000 Euro zusammen. Mit dem Geld wollen die Männer ihre jeweiligen Produkte weiterentwickeln. Sie wollen ins Team investieren, ihre Bekanntheit erhöhen – und vor allem wachsen. Die Rechnung ist einfach: Ohne externes Kapital kein schnell wachsendes Startup, denn kaum ein junges Unternehmen kann sich auf Dauer aus eigener Kraft heraus finanzieren.

Doch so simpel diese Rechnung ist, so kompliziert ist das Thema Finanzierung. Das zeigt auch der gerade veröffentlichte Startup Monitor, eine Befragung von mehr als 1.900 Startups in Deutschland. Dabei gaben 43 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer an, dass sie die Kapitalbeschaffung für eines der größten Probleme in der deutschen Startup-Szene halten. „Das Ergebnis überrascht mich überhaupt nicht. Ich habe Deutschland bisher als eher gründerfeindlich wahrgenommen”, sagt Jaromir Ufer, Gründer von Kerl Eyewear. 2014 startete er das Unternehmen neben seinem Job. Damals sah er sich nach Förderprogrammen um. „Doch aufgrund der nebenberuflichen Gründung rutschten wir durch das Raster”, erklärt er. Als er 2019 seinen Job kündigte, um sich voll und ganz Kerl Eyewear zu widmen, gab es wieder kein Geld. Die Firma war schlicht zu alt für eine Startup-Förderung. „Um die Gründerszene in Deutschland zu stärken, sollte der Auswahlprozess viel bedarfsgerechter gestaltet sein”, so Ufer. Auch Jan Gerlach von toolbot äußert Kritik an den Förderprogrammen. Zwar kam sein Unternehmen in den Genuss von Fördermitteln, „aber der Antragsprozess hat viel zu lange gedauert und nach über einem Jahr warten wir immer noch auf unser Geld”, sagt er. Jan Gerlach glaubt auch: „Die Corona-Krise hat die Kapitalbeschaffung für Startups noch schwieriger gemacht.” Vor der Pandemie stand toolbot mit zwei großen Unternehmen in Kontakt, die als strategische Investoren einsteigen wollten, doch daraus wurde nichts. „Die großen Unternehmen priorisieren Risikominimierung, weil sie wegen Corona auf kurze Sicht fahren”, begründet Jan Gerlach den geplatzten Deal. Und er hat auch eine klare Forderung: Will die Bundesrepublik ihren Status als “Land der Innovationen” erhalten, dann sollten künftig Förderprogramme den Startups leichter zugänglich gemacht werden.

Toolbot und Kerl Eyewear sind nur zwei von vielen Unternehmen, die bei der Kapitalbeschaffung auf das Crowdinvesting setzen. Die OneCrowd-Gruppe zählt für ihre Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch und die Schwesterplattformen Econeers und Mezzany zusammen insgesamt 170 Finanzierungsrunden. Allein von Juli 2020 bis Ende September 2020 starteten vier neue Crowdinvesting-Kampagnen. Vier Millionen Euro wurden in diesem Zeitraum eingesammelt. Das Geld wird den Unternehmen von insgesamt 81.600 registrierten Nutzern zur Verfügung gestellt.

 

 Aktuelle Kampagnen

Im Funding: Werkzeuge muss man nicht kaufen, man kann sie leihen. Das dachte sich ein junges Team aus Cottbus und entwickelte toolbot, einen Werkzeug-Verleihautomaten. Eine einfache Version betreibt das Team bereits in mehreren Berliner Spätis. Doch um deutschlandweit groß durchzustarten zu können, braucht toolbot Kapital. 300.000 Euro will das Startup einsammeln – und ist bereits auf einem guten Weg. In wenigen Tagen haben fast 300 Kleinanleger mehr als 260.000 Euro investiert.

Auf der Zielgeraden: Kerl Eyewear bringt Materialinnovationen in die Brillenbranche. Durch die eigene Flexarbon-Technologie entstehen zeitlose Gestelle im Premiumsegment – leichter als ein Blatt Papier. Nach dem erfolgreichen Marktstart 2017 plant das Münchner Unternehmen den nächsten Wachstumsschritt: Auf Seedmatch sollen in den letzten Tagen der Kampagne noch 150.000 Euro Kapital eingesammelt werden.

Erfolgreich finanziert: Zu den „30 under 30“ und damit zu den spannendsten Wirtschaftspionieren laut Forbes gehört Buckle & Seam. Das Berliner Unternehmen produziert in Pakistan Herrentaschen aus Leder. Das Besondere: Die Gründer zahlen ihren Mitarbeitern faire Löhne und investieren gleichzeitig vor Ort in die Schulbildung. Das Konzept überzeugt nicht nur die Kunden, sondern auch die Investoren. Auf Seedmatch hat Buckle & Seam bereits seine Zielsumme von 750.000 Euro eingesammelt. Doch die Kampagne geht noch weiter – und mit großen Schritten in Richtung 1 Million Euro.

 

Über die OneCrowd

Die OneCrowd-Gruppe ist das Unternehmen hinter der bekannten Online-Plattform Seedmatch, die 2011 als erste Plattform für Unternehmens-Crowdinvesting in Deutschland gegründet wurde. Zur Gruppe gehören auch die Plattformen Econeers für Crowdinvesting in nachhaltige Projekte und Mezzany für Immobilien-Crowdinvesting. Das Unternehmen mit Sitz in Dresden beschäftigt 20 Mitarbeiter und wird von Johannes Ranscht und Stefan Flinspach geleitet.

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